Infozentrale
auf dem Vollgut



Am Sudhaus 4
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Berlin–Neukölln, Rollberg, Vollgut und die Infozentrale

Die zu ergänzenden Informationen werden schrittweise folgen.

Das Vollgut

Das Areal der ehemaligen Berliner Kindl-Brauerei mit dem Sudhaus befindet sich an der Werbellinstraße 50. Es wurde zwischen 1926 und 1930 erbaut. Der Entwurf stammt von den Architekten Hans Claus und Richard Schepke, Bauherr war die Berliner Kindl-Brauerei AG.

Nach einem äußerst komplexen, Anfang September 2015 erfolgreich abgeschlossenen Verhandlungsprozess, konnte die Tochtergesellschaft Terra Libra Immobilien GmbH einen Großteil des Geländes der ehemaligen Kindl-Brauerei im Rollbergviertel erwerben. Ziel der Arealübernahme ist es, eine der großen Industriebrachen in Neukölln langfristig für soziale, kreative und ökologische Nutzungen zur Verfügung zu stellen und zu sichern. Das Gelände soll zu einem attraktiven Ort der Arbeit und Begegnung werden und einen Beitrag zu einer guten Nachbarschaft im Rollbergkiez leisten. Es soll auch zu einem stadträumlich zentralen Ort werden, der zur Identifikation im Quartier wesentlich beiträgt. Sozialverträglichkeit, Zugänglichkeit und Vielfalt, Umweltverträglichkeit, Ressourcenschonung und Abfallvermeidung sind wesentliche Kriterien für die weitere Entwicklung.

Stiftung Edith Maryon

Die im Juni 1990 gegründete Stiftung Edith Maryon bezweckt die Förderung und Errichtung von sozialen Wohn- und Arbeitsstätten. Diese sollen eine sinnvolle Verknüpfung von Wohnen und Arbeiten ermöglichen. Die Stiftung kann zur Erreichung ihres Zwecks Boden, Grundstücke und Liegenschaften zu Eigentum erwerben und selber Bauten und Siedlungen realisieren. Zur Wahrung seiner sozialen Verwendungsmöglichkeiten wird Grund und Boden dauerhaft von der Stiftung gehalten; Ausnahmen werden in einem Reglement der Stiftung festgelegt. Die Stiftung entwickelt Instrumente, um wirtschaftlich benachteiligten Mieterinnen und Mietern den Zugang zum Wohnungsmarkt zu erleichtern. Die Stiftung kann darüber hinaus Selbstverwaltungs- und Beteiligungskonzepte entwickeln, fördern oder selbst umsetzen. Die Stiftung bezweckt auch die Förderung insbesondere von kulturellen und pädagogischen Tätigkeiten, welche eine Bereicherung der Gesellschaft zum Ziel haben. Dazu fördert und unterstützt sie Projekte und Institutionen. Der Stiftungsrat beschließt die Schwerpunkte der Förderung und erlässt Förderrichtlinien. Die Stiftung kann ihren Zweck durch eigene Projekte realisieren oder durch Vergabungen ermöglichen und unterstützen. Die Stiftung kann mit anderen Organisationen mit ähnlichen Zielsetzungen zusammenarbeiten, diese unterstützen, fördern, sich an ihnen beteiligen, sich mit denselben zusammenschließen oder neue Organisationen gründen. Die Stiftung hat ihren Tätigkeitsschwerpunkt in der Schweiz. Die in Deutschland gegründete Terra Libra Immobilien GmbH hat ihren Sitz in Berlin. Sie ist eine hundertprozentige Tochter der Stiftung Edith Maryon und unterstützt ihr Engagement in Deutschland.

Stiftung Edith Maryon
Terra Libra Immobilien GmbH

Die Geschichte der Kindl Brauerei

Im Jahr 1872 schloss sich eine Gruppe Gastwirte aus Neukölln, das damals noch Rixdorf hieß, zusammen, um auf dem Rollberg vor den Toren Berlins, eine moderne Braustätte zu errichten. Aus Sicht der Rixdorfer Gastwirte war es ein Akt der Notwehr. Sie wollten nicht länger die brutale Preispolitik damaliger Brauereien hinnehmen, welche die Bierpreise immer weiter in die Höhe trieben. Dabei verfolgten die Neuköllner eine innovative Marktstrategie. Die Vereinsbrauerei der Gastwirte zu Rixdorf AG plante nicht, das aus der Mode gekommene obergärige Bier herzustellen, sondern untergäriges Bier. Das erfreute sich in der rasant wachsenden Hauptstadt des Kaiserreichs immer größerer Beliebtheit. Viele Menschen, die Ende des 19. Jahrhunderts aus allen Teilen Deutschlands nach Berlin kamen, konnten dem leicht säuerlichen Geschmack der traditionellen Berliner Biere nichts abgewinnen, die obergärig gebraut wurden. Klares untergäriges Bier war angesagt. Ob ein Bier unter- oder obergärig ist, hängt von der verwendeten Hefe ab. Hefe für obergäriges Bier arbeitet am besten bei warmen Temperaturen, die Hefe für untergäriges Bier braucht es hingegen kühl.

Daher waren für die Herstellung tiefe Keller von Nöten, denn nur in ihnen konnte die erforderliche niedrige Temperatur gehalten werden. „Die Lager- und Gärkeller konnten jedoch nicht überall in der Stadt gebaut werden“, meint Ingo Landwehr von den Berliner Unterwelten, einem Verein zur Erforschung und Dokumentation unterirdischer Bauten. Besonders in der Nähe der Spree sei das Grundwasser zu hoch und der Untergrund zu sandig und nass. „Aus diesem Grund befinden sich die Berliner Brauereien, die im 19. Jahrhundert entstanden, auch auf den Hochflächen im Norden und Süden der Stadt: in Prenzlauer Berg, Schöneberg, Kreuzberg oder in Neukölln auf dem Rollberg“. Hier sei nicht nur Platz für die tiefen Keller, sondern auch sauberes Grundwasser vorhanden gewesen, so Landwehr.
Besondere populär wurde seine Kreation „Berliner Kindl“, welches nach Pilsner Brauart zubereitet wurde. Diese weit über Neuköllns Grenzen hinaus bekannte Sorte verhalf der Brauerei Anfang des Jahrhunderts zu ihrem neuen Namen.
Braumeister Carl Labitzke, der von 1891 bis 1941 im Amt war, experimentierte mit Gerstenmalz, Hopfen, Wasser und Hefe und kreierte diverse Sorten des beliebten Gerstensaftes. Besondere populär wurde seine Kreation „Berliner Kindl“, welches nach Pilsner Brauart zubereitet wurde. Diese weit über Neuköllns Grenzen hinaus bekannte Sorte verhalf der Brauerei Anfang des Jahrhunderts zu ihrem neuen Namen. Bald brummte das Geschäft. Auf dem Rollberg wurden am Wochenende bis zu 10.000 Gäste mit 40 Hektolitern Bier versorgt. Die Berliner Kindl Brauerei AG übernahm in nur wenigen Jahren 20 kleinere Brauereien in Berlin und Umgebung und wuchs bis zum Zweiten Weltkrieg zu einer der vier größten Braustätten Deutschlands. Trotz oder gerade wegen der Weltwirtschaftskrise machte die Berliner Kindl-Brauerei hohe Umsätze und baute 1930 nach Meinung vieler „das schönste Sudhaus Europas“. In Nazi-Deutschland stotterte das Geschäft für viele Brauereien Berlins durch die wirtschaftlichen Einschränkungen des Krieges. Einige mussten sogar ihre Produktion einstellen, da ihre Bierlager für Rüstungsgüter zweckentfremdet wurden. Doch für die Neuköllner Bierbrauer lief das Geschäft weiter.

Die Kindl-Brauerei unterhielt beste Beziehungen zu den Nazis. Bereits 1933 war die Neuköllner Brauerei ein sogenannter „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“. Unternehmen, die diese Auszeichnung trugen, wurden mit Prämien dazu angehalten, ihre Leistung im Sinne des NS-Regimes zu erhöhen. Die Geschäftsführung verkaufte den Nationalsozialisten sogar eine ehemalige Brauerei in Oranienburg. Dort errichteten die Nazis 1933 ihr erstes Konzentrationslager. Bis kurz vor Kriegsende 1945 konnte die Kindl-Brauerei ihre Produktion auf dem Rollberg in Betrieb halten. Das gelang vor allem durch den Einsatz zahlreicher Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter, die im Vertrieb und in der Beseitigung von Bombenschäden eingesetzt wurden.

Heute kann man das Brauerei-Areal im Rahmen einer Tour der „Berliner Unterwelten“ besichtigen. Wie lange die unterirdischen Brau-Hallen noch leer stehen und besichtigt werden können, ist jedoch fraglich. Das mehr als zwei Fußballfelder große Gelände entwickelt sich zu einem Treffpunkt für Freizeit und Kultur. Schließlich liegt es im Herzen des „Trendbezirks“ Neukölln. Eine Kart-Bahn, das KINDL – Zentrum für Zeitgenössische Kunst sowie der queere Club SchwuZ haben sich schon angesiedelt. In naher Zukunft will die Gesellschaft Vollgut, der das Gelände mittlerweile gehört, auf dem Rollberg alternative Wohn- und Wirtschaftsformen testen.

Neuköllner - Die Kindl Brauerei

Das Sudwerk

Das Sudwerk wurde nach der Demontage bis 1953 von der Firma Ziemann neu errichtet. Es besteht aus zwei Sudstraßen mit jeweils drei Gefäßen. Das Eichvolumen der Kochpfannen beträgt 705 Hektoliter.

Seit der Stilllegung des Standortes im Jahr 2005 wird das Sudhaus für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Unter dem alten Sudhaus befindet sich seit Oktober 2009 die Privatbrauerei Am Rollberg.

Im Herbst 2011 erwarb das deutsch-schweizerische Ehepaar Burkhard Varnholt und Salome Grisard das Sudhaus und die anderen denkmalgeschützten Bauteile und gründete das KINDL - Zentrum für zeitgenössische Kunst.

Berliner Kindl
Privatbrauerei Am Rollberg
KINDL - Zentrum für zeitgenössische Kunst

Die Verwaltungsgebäude am Sudhaus

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Das Vollgutlager

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